Schweizer Fussball in den Medien

Alles andere rund um den Fussball
Antworten
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Godfather
Moderator
Beiträge: 2834
Registriert: 28.05.04 @ 19:06
Wohnort: Hardturm

Schweizer Fussball in den Medien

#1 Beitrag von Godfather » 13.07.05 @ 0:15

Gab schon einige Diskussionen dazu, aber ich mach einen neuen Thread für dieses Thema auf.
Das Schweizer Fernsehen und der Klubfussball, eine lieblose Pflichterfüllung

Die Aussage war kompromisslos. Das Fernsehen mache den Fussball kaputt, hatte Ilja Kaenzig, damals noch im Management von Bayer Leverkusen, gesagt. Vor zwei Jahren war es gewesen, und im Interview mit der Mittelland-Zeitung war in diesem Moment der Schweizer Klubfussball das Thema.

Kaenzig mochte mit seiner Aussage die Situatio - bewusst - überspitzt dargestellt haben, doch mit seiner Aussage lag er im Kern zweifellos richtig.

Wer den Schweizer Klubfussball gerne hat, mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten in manchen Bezeichen und auch im Wissen darum, dass er nicht zur europäischen Spitzenklasse gehört, muss Jahr für Jahr mit Enttäuschung und Unverständnis zur Kenntnis nehmen, wie respektlos das Schweizer Fernsehen mit ihm umspringt.

So schlecht, wie er von SF DRS dargestellt wird, kann er gar nicht sein. Die Europacup-Resultate waren nicht gut in den beiden letzt Jahren, das schleckt keine Geiss weg. Doch die Nationalmannschaft war bei der EM und führt derzeit ihre schwergewichtige WM-Qualifikationsgruppe nach Verlustpunkten an; ebenso die U21 ihre EM-Ausscheidungsgruppe. Und die U20 war in Holland bei der WM. Schlecht kann nicht sein, was aus dieser Liga entsteht, auch wenn sie zusehends zu einer Ausbildungsliga geworden ist.

Schade bloss, dass dies SF DRS nicht bemerken will und das Geschenen weiterhin so lieblos präsentiert, als ginge es um reine Pflichterfüllung. Während in ganz Europa der Fussballfan zu einer fest fixierten Sendezeit die Landesmeisterschaft mitverfolgen kann, muss der Schweizer im Sportpanorama oder im Sport aktuell darauf warten, bis zwischen Rudern und Mountainbike ein paar Minuten Super-League-Fussball zu sehen sind. Die Spiele werden dabei oft so verzerrt wiedergegeben, dass jene, die sich das Spiel zuvor im Stadion angesehen haben, die Partie nicht wiedererkennen. Auf keinen Fall ist es angezeigt, sich von einem Spiel aufgrund eines TV-Berichts ein wertendes Bild zu machen. Oft genug hat die Wirklichkeit ganz anders ausgesehen. Wobei es zugegebenermassen nicht ganz einfach ist, in 120 Sekunden ein Spiel zusammenzufassen; zumal, wenn der Reporter wieder einmal nicht im Stadion gewesen ist.

Muss bloss keiner kommen und behaupten, in der Schweiz sei das Interesse am Fussball nicht vorhanden. Schaffhausen - Basel, eine Live-Übertragung auf Sat.1, hatte in der letzten Saison am 14. November 270 300 Zuschauer, Federer im Wimbledon-Final im Vergleich 310 000. Und wer die 8646 Zuschauer, welche 2004/2005 im Schnitt die Super-League-Spiele besuchten, mit den 37 565, die in der Bundesliga kamen, unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahlen - 7,5:82,5 Millionen - vergleicht, wird bestätigt: Die Schweizer wollen Fussball sehen. Dumm ist nur, dass es in unserem Land offensichtlich nur Platz für einen grossen Sender hat, der tun und lassen kann, wie ihm beliebt. Während
sich in anderen Ländern die Sender konkurrieren und damit die Qualität der Sendungen ebenso nach oben treiben wie die Entschädigungen an die Ligen für die Übertragungsrechte, liefert SF DRS zu einem beschämend tiefen Preis entsprechende Arbeit ab. Daran wird sich in der nächsten Zeit wohl nichts ändern. So bleibt einzig die Hoffnung, Premiere kaufe wie in Österreich auch die Rechte am Schweizer Fussball.

PS: Wir hätten SF DRS gerne mit ein paar Fragen und Thesen zur Berichterstattung konfrontiert (siehe unten). Die Antwort von Sportchef Urs Leutert auf die gemailten Thesen: "Ihre Analyse ist derart kompetent, seriös, differneziert und erschöpfend, dass sich ein Kommentar meinerseits wohl erübrigt."

Markus Brütsch, Aargauer-Zeitung

Fragen und Thesen

Die folgenden Fragen und Thesen hat die Mittellandzeitung Urs Leutert, Sportchef SF DRS, gestellt - un d keine Antwort erhalten.

1. Weshalb ist die Schweiz das einzige Land, das keine Fussballsendung hat?

2. Die Schweiz ist auch das einzige Land, in dem nie Bilder von der 2. Liga (Challange League) zu sehen sind.

3. Keine Fernsehanstalt lässt dem Fussball, über den sie berichtet, so wenig Geld zukommen, wie SF DRS.

4. Die Spielberichte sind meist viel zu kurz.

5. Die Spielberichte geben oft genug kein objektives Bild vom Geschehen wider. Wichtige Szenen (Schlüsselszenen) werden zum Beispiel weggelassen.

6. Warum sind die Kommentatoren meist gar nicht vor Ort?

7. Die Spiele werden lieblos produziert und ausgestrahlt - die Erledigung eines Pflichtstoffes eben.

8. Es gibt zu wenig Platz für Analysen und Interviews.

9. Vorschauen fehlen völlig.

Ansichten

Köbi Kuhn (Nationalcoach)

«Die Frage nach der Qualität der Super-League-Berichterstattung kommt überraschend. Man hat sich doch daran gewöhnt. Es ist aber klar, dass man mehr machen könnte, dass die Berichterstattung attraktiver sein könnte. Es wäre zum Beispiel interessant, auch im Vorfeld der Spiele etwas zu bringen, Promotion für die Runden zu machen.»

Pascal Zuberbühler (Goalie FC Basel und Nationalteam)

«Ich bin überzeugt, dass mehr Fussballsendungen möglich wären. Die Sendungen und Beiträge könnten auch spannender gestaltet werden, mit mehr ‹Schmackes› halt. Ich finde auch, man sollte ein Spiel nicht runterziehen oder runterreden.»

Fredy Bickel (Sportchef FC Zürich)


«Ich denke, beide Seiten, die Vereine und SF DRS, sind sich nicht bewusst, wie sehr sie sich brauchen. Ich bin für die Uefa im Europacup unterwegs gewesen und kenne auch die Seite des Fernsehens. Die Vereine könnten dem Fernsehen manchmal mehr entgegenkommen, dann würde das Produkt auch besser.»

Mladen Petric (Stürmer FC Basel)

«Ich finde es gut, dass letzte Saison mehr Spiele live auf SF2 gezeigt wurden. Aber ich wünsche mir dennoch eine ausführlichere Bericht-erstattung. Manchmal werden nur zwei Chancen gezeigt und das wars. In Deutschland wird das Hauptgewicht viel klarer auf Fussball gelegt.» (awa/br)
Zuletzt geändert von Godfather am 18.09.05 @ 11:59, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Cabri
Beiträge: 2358
Registriert: 04.03.05 @ 22:07
Wohnort: Züri

#2 Beitrag von Cabri » 13.07.05 @ 12:07

Machen wir's doch so wie in Italien bei Novantesimo Minuto :wink:

Vorne steht eine hübsche Dame, die ihr Alter jedoch nicht ganz verstecken kann, hin. Im Hintergrund sitzen ein alter, spitzer und dicker Sack (Giorgio Dosatti) mit ellenlangen Analysen über die Serie A sowie ein ca. 40jähriger Mann namens Matteo Moviola, seines Zeichens Ex Schiedsrichter und nur für die Schiedsrichterentscheide zuständig, die dann in x Wiederholungenund aus allen Kameraperspektiven beurteilt werden. Ziemlich grotesk also.

Die Spielberichte selber sind dadurch geprägt, dass das Resultat schon zu Beginn der Zusammenfassung auf dem Bildschirm aufflimmert, dass es oft bei Toren keine Wiederholung gibt und die Schiedsrichterentscheide nicht kommentiert werden (Dafür gibts dann eben die "Moviola").

Nein im ernst: Die Einstellung sollte sein: "Weniger Fernseher mehr Stadion" Um dieses Ziel zu erreichen wäre es sogar gut, dass dem Fussball am Fernseher nicht viel Platz eingeräumt wird. Aber eben: Ohne Fernseher keine Aufmerksamkeit in der Bevölkerung -> kein Interesse am Stadionbesuch.

Deshalb muss es so sein, dass wenig Spiele live übertragen werden, die Kurzberichterstattungen jedoch in einer eigenen Fussballsendung und im Vergleich zu heute wesentlich besser ausfallen. Das ganze möglichst zu Zeiten, mit denen man die Möglichkeit zu einem parallelen Stadionbesuch hat. Vorschauen könnte man am Morgen des Spieltages senden.
Schafe, denen kalifornische Wissenschafler beibringen wollten, Unkraut auf Weinbergen zu fressen, entwicklten eine ausgeprägte Vorliebe für Trauben der Rebsorte Chardonnay

Benutzeravatar
Godfather
Moderator
Beiträge: 2834
Registriert: 28.05.04 @ 19:06
Wohnort: Hardturm

#3 Beitrag von Godfather » 13.07.05 @ 19:31

Es gibt auch positive Änderungen. Der neue Auftritt von www.sportradio.ch gefällt.

Benutzeravatar
Cabri
Beiträge: 2358
Registriert: 04.03.05 @ 22:07
Wohnort: Züri

#4 Beitrag von Cabri » 13.07.05 @ 20:28

Stimmt, Sportradio.ch ist wirklich eine gute Institution. Nur war der Artikel in der Mittellandzeitung glaub ausschliesslich auf das Fernsehen bezogen.
Schafe, denen kalifornische Wissenschafler beibringen wollten, Unkraut auf Weinbergen zu fressen, entwicklten eine ausgeprägte Vorliebe für Trauben der Rebsorte Chardonnay

Benutzeravatar
Historiker
Beiträge: 773
Registriert: 10.01.05 @ 19:59
Wohnort: Zürich
Kontaktdaten:

#5 Beitrag von Historiker » 13.07.05 @ 20:33

Über den Sinn von sportradio.ch lässt sich nicht streiten, aber die Kommentatoren sind wirklich grottenschlecht (ausser dem Fetscherin der geht noch gerade).
"Sein erstes Spiel bestritt der Grasshopper-Club Zürich im Oktober 1886.
Die Medien verurteilten das Spiel als sinnloses Unterfangen, einem schmutzigen Lederball nachzurennen, anstatt die Freizeit nutzbringender zu verwenden."

Benutzeravatar
Cabri
Beiträge: 2358
Registriert: 04.03.05 @ 22:07
Wohnort: Züri

#6 Beitrag von Cabri » 13.07.05 @ 20:53

A propos Fetscherin: Er und Co Kommentator Erich Vogel werden gerade im stade de la charrière von Vögeln angegriffen :lol: Xamax-YB momentan 1:1. Halt. Neri: 1:2

Gut, die Qualität mag nicht soo gut sein. Aber immerhin ist es gratis und es gibt keine Musikpausen
Schafe, denen kalifornische Wissenschafler beibringen wollten, Unkraut auf Weinbergen zu fressen, entwicklten eine ausgeprägte Vorliebe für Trauben der Rebsorte Chardonnay

Q7rS
Beiträge: 227
Registriert: 17.04.05 @ 23:35

#7 Beitrag von Q7rS » 13.07.05 @ 21:58

ja. sportradio ist ne gute sache! auch wenn (wie gesagt) die kommentatoren nicht soo der hammer sind. 3-1 YB ... war ja nicht unbedingt anders zu erwarten...

Benutzeravatar
Godfather
Moderator
Beiträge: 2834
Registriert: 28.05.04 @ 19:06
Wohnort: Hardturm

#8 Beitrag von Godfather » 13.07.05 @ 21:59

Cabri hat geschrieben:Stimmt, Sportradio.ch ist wirklich eine gute Institution. Nur war der Artikel in der Mittellandzeitung glaub ausschliesslich auf das Fernsehen bezogen.
Aber nicht dieser Thread.

Nochmals zum Thema Fernsehen: Es gibt ja auch noch die potentiellen TV-Zuschauer, die momentan nicht ins Stadion gehen. Wenn man die Liga gut vermarkten würde, wäre das eine weitere Einnahmequelle. Mit dem Geld könnte wieder in Spieler investiert werden, was die Attraktivität steigern würde, und wieder zu mehr Zuschauern führen könnte. Aber jemand müsste mal an dem Rad drehen, das diesen Kreislauf in Gang setzt. SFDRS ist es, wie wir alle wissen, sicher nicht. In den nächsten Jahren muss einfach etwas passieren und die Fussballbegeisterung muss endlich ausgeschöpft werden, weil die Voraussetzungen lange nicht mehr so gut sein werden (WM2006 und EM2008).

Benutzeravatar
Cabri
Beiträge: 2358
Registriert: 04.03.05 @ 22:07
Wohnort: Züri

#9 Beitrag von Cabri » 14.07.05 @ 12:23

Je mehr ich über das Thema nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass da mal jemand einen ziemlich radikalen Schnitt machen muss und zwar schon bald. Angefangen von den Sendungen über die Vermarktung bis zu den Moderatoren. Über diese ekligen Warmduscher und Weicheier mit ihrer Medienhetze gegen Fans kann ich mich fürchterlich aufregen. :twisted: Besonders dieser geschniegelte Rainer Maria Salzbeger ist zum Kotzen.
Schafe, denen kalifornische Wissenschafler beibringen wollten, Unkraut auf Weinbergen zu fressen, entwicklten eine ausgeprägte Vorliebe für Trauben der Rebsorte Chardonnay

Benutzeravatar
Historiker
Beiträge: 773
Registriert: 10.01.05 @ 19:59
Wohnort: Zürich
Kontaktdaten:

#10 Beitrag von Historiker » 15.07.05 @ 12:29

Beim SFDRS sind alle Kommentatoren unfähig, ausser der Sascha Ruefer ist erträglich. Ich weiss nicht ob sich das wirtschaftlich gesehen momentan überhaupt lohnen würde wenn ein Sender wie Premiere ins Schweizer Geschäft einsteigen würde. Vielleicht ist die Fussballsensation in der Schweiz so gross, wie schon genannt nach einer WM oder der eigene EM dass sich das auszahlen würde.
"Sein erstes Spiel bestritt der Grasshopper-Club Zürich im Oktober 1886.
Die Medien verurteilten das Spiel als sinnloses Unterfangen, einem schmutzigen Lederball nachzurennen, anstatt die Freizeit nutzbringender zu verwenden."

Antworten