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Alles rund um den Grasshopper-Club Zürich
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phantom1886
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Re: Presse Thread

#28981 Beitrag von phantom1886 »

Tages-Anzeiger 17.09.2022, Dominic Willimann (https://www.tagesanzeiger.ch/justin-ham ... 2097355180)

Justin Hammel und seine mutigen Entscheidungen:
Der 21-jährige Goalie steigt bei GC zur Nummer 1 auf. Etwas, das er aus seiner Vergangenheit bestens kennt. Einer Vergangenheit, die auch von Rückschlägen geprägt war.

Es ist die Szene des Spiels. Ein langer Ball von Basels Wouter Burger, ein lautes Rufen von Justin Hammel, verbunden mit dem Herauseilen aus seinem Tor, und letztlich ein Abstimmungsfehler zwischen ebendiesem Hammel und Georg Margreitter. Die Defensive des Grasshopper Clubs verkalkuliert sich, der FC Basel profitiert und schiesst zum 3:1 ein.

Wenn Justin Hammel an diesen Moment vom vergangenen Sonntag denkt, dann tut er das ausserordentlich reflektiert für einen 21-Jährigen. «Wichtig ist, dass ich eine Entscheidung getroffen habe, auch wenn es nur die zweitbeste war.» Es war eine mutige – aber er habe sie zu einhundert Prozent durchgezogen.

Dass dies ausgerechnet beim Super-League-Debüt passiert und erst noch im Stadion, wo der Baselbieter schon so manches Spiel als Zuschauer verfolgt hat, ist für ihn unglücklich. Doch Hammel sagt: «Ich befinde mich in einem Lernprozess. Wichtig ist, dass ich das Fällen von falschen Entscheidungen auf dem Platz minimieren kann.»

Denn eines ist seit Sonntag klar. Die Grasshoppers werden den U-21-Nationalmannschaftstorhüter künftig nicht nur wie bis vor kurzem im Schweizer Cup gebrauchen. Weil Stammgoalie André Moreira wegen eines Abrisses des langen Adduktorenmuskels rund vier Monate ausfällt, rückt Hammel von der Nummer 2 zur Nummer 1 auf.

Erinnerungen an Lausanne
Und damit wiederholt sich eine Geschichte, die der GC-Neuzuzug bereits kennt. Im Sommer 2020 sehnt sich Hammel nach einer Veränderung. Im Nachwuchs des FC Basel wird er nicht glücklich. Drei Einsätze in zwei Saisons bei der U-21 in der Promotion League sind zu wenig für einen, der von sich sagt, dass er überaus ehrgeizig und ein Perfektionist sei.

Doch die Vorzeichen für einen Wechsel stehen in jenem Sommer nicht zum Besten: Corona und die Tatsache, dass Hammel in der Basler Jugend zumeist nur zweite oder dritte Wahl ist, lassen nicht viele Optionen für einen Transfer zu. Letztlich schliesst er sich Stade Lausanne-Ouchy an – als dritter Goalie hinter Dany Da Silva und João Barroca. Es ist ein mutiger Entscheid, der im schlimmsten Fall auch das Aus des Traums vom Profifussball bedeuten könnte.

Aber es kommt anders. Schon nach zwei Partien ist Hammel die Nummer 2, ehe im Winter eben das passiert, was Hammel heute als «Parallele zur jetzigen Situation» bezeichnet. Da Silva verletzt sich schwer, Barroca tritt zurück. Aus dem Nichts ist Hammel die Nummer 1 und debütiert auf Stufe Challenge League im Januar letzten Jahres – gegen den Grasshopper Club.

Was folgt, sind 50 Einsätze in der zweithöchsten Liga des Landes, nebenbei besucht er die Sportklasse des Gymnasiums Liestal. In diesem Sommer nun besteht er die Maturprüfungen und möchte auch fussballerisch den nächsten Schritt machen. Sprich: in die Super League. Hammel sagt: «Ich habe in Lausanne extrem viel gelernt – auf wie neben dem Platz. Doch es war Zeit für neue Impulse.»

Der Kontakt zu Jörg Stiel
Diese findet er in Zürich. Er ist überzeugt davon, wie die GC-Verantwortlichen ihm aufzeigen, wie er seine nächsten Entwicklungsschritte in Niederhasli machen kann. Da ist aber auch Goalietrainer Jörg Stiel, den Hammel sehr schätzt. Sie haben bereits in der U-18 des FC Basel zusammengearbeitet. Trainer war dort Alex Frei – und es war auch die einzige Zeit im Basler Nachwuchs, in der Hammel regelmässig spielte.

Vor und auch teils zu jener Zeit fällt Hammel aber immer wieder verletzt aus. Deshalb kann er gut mitfühlen, wie es für seine Goaliekollegen ist, wenn sie wegen einer Blessur pausieren müssen. Mit 12 Jahren erfolgt bei Hammel die erste Hüftoperation, mit 15 die dritte und bislang letzte. Ein Jahr lang kann der damalige Junior gar nicht mehr Fussball spielen. Ob er mit diesem Leiden im Leistungssport überhaupt eine Zukunft hat, weiss zu diesem Zeitpunkt keiner.

Doch Hammel kämpft sich zurück. Auch wenn er weiss, dass auf zwei gute Wochen zwei Wochen voller Schmerzen folgen können. Erst als er in die U-21 wechselt und mehr Training in die Kräftigung seiner Rumpfmuskulatur investiert, bekommt er die Hüftprobleme allmählich in den Griff. Heute ist er beschwerdefrei.

Der Entscheid, den Blick trotz Rückschlägen immer nach vorne zu richten, hat sich gelohnt. Bei GC schlüpft er nun ein nächstes Mal in eine neue Rolle. Hammel ist davon überzeugt, dass er auch diese Hürde meistert: «Ich gab und gebe im Training Vollgas. Und werde nun der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen versuchen.»

Das nächste Mal am Samstag bei den Amateuren von Goldstern, ehe er nach dem Camp mit den Schweizer Junioren in Málaga von Oktober an sein Können in der Super League zeigen kann. Auf einer Bühne, von der Justin Hammel Anfang letzten Jahres noch weit, weit entfernt war.


Stadt Züri
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Re: Presse Thread

#28983 Beitrag von Stadt Züri »

JNEB1886 hat geschrieben: 29.09.22 @ 7:51 Nostalgie Pur..
https://www.watson.ch/sport/unvergessen ... pacup-sieg
spannend! Aber natürlich darf der ZS-Vergleich nicht fehlen

JNEB1886
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Re: Presse Thread

#28984 Beitrag von JNEB1886 »

Kann jemand den Abo+ Artikel aus dem Tages Anzeiger über Contini posten. Danke !

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Tribal Chief
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Re: Presse Thread

#28985 Beitrag von Tribal Chief »

JNEB1886 hat geschrieben: 01.10.22 @ 7:59 Kann jemand den Abo+ Artikel aus dem Tages Anzeiger über Contini posten. Danke !
Nein bitte nicht.

JNEB1886
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Re: Presse Thread

#28986 Beitrag von JNEB1886 »

Tribal Chief hat geschrieben: 01.10.22 @ 8:35
JNEB1886 hat geschrieben: 01.10.22 @ 7:59 Kann jemand den Abo+ Artikel aus dem Tages Anzeiger über Contini posten. Danke !
Nein bitte nicht.
?

tnt
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Re: Presse Thread

#28987 Beitrag von tnt »

JNEB1886 hat geschrieben: 01.10.22 @ 7:59 Kann jemand den Abo+ Artikel aus dem Tages Anzeiger über Contini posten. Danke !
«Die Schweiz ist immer noch ein Schlaraffenland»
Der GC-Trainer sagt, warum es für Spieler hier einfacher ist als anderswo, was ihm nahegeht und welcher perfekte Schachzug dem FCZ vor dem Derby am Samstag gelungen ist.

Mögen Sie Ihre Spieler?
(lacht) Es wäre falsch, wenn ein Trainer seine Spieler nicht gern hätte, darum: Ja, logisch, es ist eine Grundvoraussetzung, dass man den Job mit voller Energie ausführen kann.

Christian Streich, Trainer beim SC Freiburg, sagte in einem Podcast, man müsse seine Spieler gern haben, um Erfolge zu feiern.
Ich denke, das ist in allen Berufen so, in denen man intensiv und leistungsbezogen mit einer Gruppe arbeiten muss. Man muss die Menschen gern haben, sie fordern und fördern, etwas zusammenbasteln, das funktioniert. Wenn man diese Sozialkompetenz nicht hat, gibt es immer wieder Reibereien.

Hatten Sie diese Eigenschaft immer in sich?
Ich bin grundsätzlich einer, der offen ist und auf die Leute zugeht. Ich war früher auch einer, der sich Hilfe holte, wenn etwas war. Ich merkte, dass mir das guttat, dass ich aber auch zuhören kann. Wenn jemand eine Gruppe führt, hat man immer das Gefühl, dass er die Autorität verliert, wenn er die Distanz nicht hat. Ich sehe das anders: Ich bin im Boot und muss mit meinen Jungs ein Ziel erreichen.

Gibt es Momente, in denen es schwierig ist, seine Spieler gern zu haben und ihr Chef zu sein?
Nein, wenn man authentisch ist und seine Linie hat, dann ist das kein Problem. Die Spieler wissen, dass wir es lustig haben und Seich machen können, aber die Leitplanken sind gesetzt. Wenn ich am Montag ein lustiges Training habe, ist das kein Problem, aber im Abschlusstraining verträgt es das nicht.

Sie haben viele Spieler, die ganz allein hier sind. Wie sehr sind Sie Bezugsperson?
Mein Büro ist immer offen, als Trainer hat man die Spieler sechs Stunden am Tag bei sich, wenn es hoch kommt. Was sie aber den Rest des Tages machen, weiss ich nicht, vor allem nicht bei den Ausländern, die sehr jung und allein da sind. Dort ist es schon wichtig, immer nachzufragen, wie es ihnen geht.

Gibt es in solchen Gesprächen Schicksale, die Ihnen nahegehen?
In den Jahren, in denen ich Trainer bin, gab es immer wieder einschneidende Momente. Wenn man etwas aus erster Hand erfährt, ist das ein gutes Zeichen, weil es Vertrauen bedeutet. Dann ist es extrem wichtig, der Person das Gefühl zu geben, dass Fussball nicht die Nummer 1 ist und es Wichtigeres gibt.

Gibt es Beispiele?
Familiengeschichten gehen mir grundsätzlich immer nahe, ob es sich um eine schwere Krankheit oder den Verlust eines geliebten Menschen handelt. Solche Dinge vor allem.

Welche Rolle spielen bei mentalen Problemen die Medien?
Ich weiss selbst noch, wie es als Spieler war, am Montag zu schauen, welche Note man bekam – was absoluter Mist ist. Man kann doch nicht dem Spieler eine 5 geben, der in der 85. Minute ein Tor macht, davor aber 80 Minuten auf der Bank sass, und den Spieler, der einen Fehler macht, aber davor 80 Minuten die Knochen hinhielt, ins Flopteam der Runde wählen. Das macht schon etwas, die Medien spielen damit.

Kann das einen Spieler aus der Bahn werfen?
Ja, wenn er zum Beispiel emotional nicht gefestigt ist. Dann bekommt er über Social Media auch noch negative Kommentare und persönliche Angriffe… Da müssen wir die Spieler schützen. In der Schweiz sind wir aber immer noch in einem Schlaraffenland. Wenn du nur schon in der zweiten Bundesliga einem eine Ohrfeige gibst, bist du zwei Wochen in der Zeitung. Hier erfährt man nicht jedes Detail, weil die Aufmerksamkeit nicht immer so hoch ist.

Von aussen scheint die Fussballwelt oberflächlich zu sein. Würden Sie sich wünschen, dass der Mensch mehr im Fokus steht?
Das Problem ist, dass einer, sobald er in eine mentale Grauzone kommt, als zu wenig hart gilt. Man muss nach aussen immer den Starken markieren. Für mich als Trainer ist es wünschenswert, die Schwächen meiner Spieler zu kennen, nur so kann ich sie besser machen. Aber in der Öffentlichkeit wird es nicht passieren, dass ein 1,96 m grosser Innenverteidiger kommt und sagt: Ich fürchte mich, Kopfbälle zu machen.

Fällt es Spielern schwer, sich Ihnen anzuvertrauen?
Jetzt kommen wir wieder auf die erste Frage. Wenn ich einen Spieler gern habe, gehe ich davon aus, dass er mich auch gern hat. Dann fällt es einem zum Beispiel einfacher, zu sagen: Trainer, heute kann ich nicht, weil meine Frau ein Kind erwartet. Wenn ich umgekehrt nie mit den Spielern rede, wird er nicht auf mich zukommen.

Sie haben von lustigen Trainings gesprochen. Wann werden Sie wütend?
Ich bin sehr selbstkritisch. Wenn wir verlieren, bin ich in erster Linie wütend auf mich selbst. Aber es gibt Dinge, die mich putzhässig machen, mangelnde Disziplin zum Beispiel.

Wie spüren das die Spieler?
Die spüren das ziemlich schnell, da werde ich laut und direkt, weil ich finde, dass es abgestellt werden muss.

Ayumu Seko holte zuletzt im Cup gegen einen Drittligisten wegen einer Tätlichkeit eine Rote Karte.
Das geht gar nicht. Es war gut, dass er zehn Tage bei der Nationalmannschaft war und Abstand von dieser Situation gewinnen konnte. Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen und werde es mit ihm anschauen. Ich will es aber nicht verurteilen, sondern von ihm wissen, was in ihm vorging. Gerade bei jungen Spielern muss man das anschauen.

Seko kennt man ansonsten ja als ruhigen Spieler.
Das kann täuschen, er ist kulturell bedingt schon ein Ruhiger, aber auch er hat Emotionen, die er loswerden muss. Darum ist meine Frage: Was ist es? Hat sich etwas aufgestaut unter der Woche? War es das erste Aufgebot für das Nationalteam?

Nervte es Sie eigentlich, dass es in den Medien hiess, GC werde diese Saison nicht oft gewinnen?
Nein, es nervt mich nicht, auch wenn ich gemäss einigen Medien einer der grössten Schleudersitz-Kandidaten war vor der Saison. Es ist immer das Gleiche, jeder Trainer, der verliert, ist in der Flugparade – und doch las ich vor der Saison nirgends: Der Trainer des Meisters fliegt zuerst. Weil sie Meister sind. Aber das gibt keine Garantie. So wie es für mich keine Garantie gibt, im Januar noch Trainer zu sein.

Man hört von Spielern immer wieder, die Stimmung sei ausserordentlich gut bei GC. Wie sehen Sie das?
Ich kam im Sommer vor einem Jahr, der Staff war neu, wir übernahmen eine Gruppe. In den ersten Monaten kristallisierten sich gewisse Dinge heraus, es gab Spieler, die nicht ins Konzept passten, aber einen Vertrag hatten. Die muss man natürlich auch gern haben und nicht aufs Abstellgleis stellen. In diesem Sommer haben wir keine solche Spieler mehr, die Homogenität ist dadurch viel grösser und die Stimmung automatisch besser.

Gibt es etwas, was Ihnen selbst nicht gelungen ist?
Nicht alles ist mir gelungen, das sehen Sie, wenn Sie die Resultate anschauen. Letztes Jahr sind wir phasenweise abgesoffen. Aber ich bin der Meinung, dass man das, was wir machen, gern sieht. Wir haben eine Mannschaft, die sich zerreisst, die nicht aufgibt, darauf bin ich stolz. Das Nächste, was wir anpacken müssen, ist das Spielerische. Das gelang noch nicht ganz, weil ich gern noch den einen oder anderen Spieler hätte, der mit seinen Qualitäten mein Spiel vereinfachen würde.

Was fehlt Ihnen denn noch an Spielern?
Wer mich kennt, der weiss, dass ich gern einen spielerischen Sechser habe. Wir haben mit Tsiy Ndgene einen mit physischer Qualität, aber wir haben keinen, der Pirlo-mässig vor der Abwehr ist und die Bälle nicht verliert. Und den idealen Stürmer haben wir auch nicht. Entweder wir haben einen schnellen und einen grossen, zwei kleine schnelle oder einen grossen langsamen.

Gibt es Spieler, die Sie überrascht haben?
Es gibt zwei, drei Spieler, die herausstechen. Bei Dominik Schmid wusste ich, was er kann, aber jetzt ist er noch gereift. Dann haben wir Hayao Kawabe, der fast schon unersetzlich ist, mit ihm wird das Spiel ein anderes. Das hat auch damit zu tun, dass er offener wurde. Als ich ihm erstmals Sprüche an den Kopf warf, erschrak er, wahrscheinlich hatte es noch nie ein Trainer so lustig mit ihm.

Welche Aufgaben können Ihnen Ihre Führungsspieler Amir Abrashi, Georg Margreitter und Dominik Schmid abnehmen?
Sie sind die ersten Ansprechpersonen, diese drei vor allem. Wenn es zum Beispiel um Taktik geht, gehe ich auf sie zu. Sie wissen, dass sie mir sagen können, was wir anders hätten machen können. Sie sorgen auch für saubere Luft untereinander, wenn es zum Beispiel Spannungen in der Kabine gibt.

Murat Yakin hat hinter Linksverteidiger Ricardo Rodriguez ein Loch in der Nationalmannschaft. Haben Sie schon angerufen und Dominik Schmid empfohlen?
Nein, das läge mir fern, auch wenn er ein Kollege ist. Wenn es Dominik verdient, dann über die Leistungen. Wenn für die WM noch Bedarf ist und Murat der Meinung ist, er brauche noch einen, dann würde er sicher erst auf mich zukommen und mich fragen, wie ich ihn sehe. Und dann werde ich ihm keinen Blödsinn erzählen.

Sehen Sie ihn als Nationalspieler mit seiner Vielseitigkeit?
Das ist eine Qualität, die er hat. Was er noch nicht hat im Vergleich zu anderen, ist die internationale Erfahrung, die zum Beispiel ein Loris Benito schon hat. Das ist bei einem Turnier wie der WM mitentscheidend. Im Sturm kannst du mal ein Greenhorn auf den Platz stellen, aber als Verteidiger willst du schon einen, der besteht. Das ist die Krux auf dieser Position.

Kommen wir auf das Derby zu sprechen: Ist der FCZ unberechenbar?
Er ist sicher unberechenbar, weil jetzt, da der Trainer weg ist, jeder auf die Spieler zeigt, sie sind jetzt in der Verantwortung. Dieser Schachzug, vor dem Derby und vor der Länderspielpause, war vom Zeitpunkt her natürlich perfekt.

Trainer sagen vor solchen Spielen ja gern, es sei eine Partie wie jede andere.
Ist es aber nicht, es fuchst mich immer noch, dass ich letzte Saison keines gewonnen habe. Wir hätten es einmal oder zweimal verdient zu gewinnen, jetzt haben wir die Chance wieder. Mir persönlich und den Spielern wünsche ich, dass wir einen guten Tag haben werden.

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nestor
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Re: Presse Thread

#28988 Beitrag von nestor »

SUPER LEAGUE
GC-Trainer Giorgio Contini vor dem Zürcher Derby gegen Meister FCZ: «Ohne Stadion wird es nie mehr wie früher»
Die Grasshoppers gehen am Samstag nach einem guten Saisonstart erstmals seit Jahren wieder als Favorit in ein Derby gegen den FC Zürich. Im Interview spricht der Trainer Giorgio Contini über die aktuelle Situation beim Rekordmeister, über die Ziele der chinesischen Investoren und was für ihn bei GC das grösste Problem ist.

Stefan Wyss
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01.10.2022, 05.00 Uhr
Exklusiv für Abonnenten
Trainer Giorgio Contini hat mit GC in dieser Saison positiv überrascht.
Trainer Giorgio Contini hat mit GC in dieser Saison positiv überrascht.
Martin Meienberger / freshfocus
Erstmals seit dem 19. April 2016 stehen die Grasshoppers vor einem Zürcher Derby in der Tabelle vor dem Stadtrivalen FC Zürich. Der Rekordmeister überraschte bisher mit zwölf Punkten aus acht Spielen positiv. Trainer Giorgio Contini sagt, weshalb es nun besser läuft, und was für GC noch möglich ist in dieser Saison. Und der 48-jährige Zürcher nimmt Stellung zur Frage aller Fragen unter den Fans: Wird GC je wieder so gross wie früher?

Vor dem ersten Derby der Saison ist die Ausgangslage ungewöhnlich: GC geht erstmals seit Jahren als Favorit ins Duell mit dem FC Zürich.

Giorgio Contini: Nach dem aktuellen Tabellenstand ist das so. Aber das Derby ist ein spezieller Match, wie ein Cupspiel. Alles kann passieren.


Das müssen Sie jetzt sagen. Oder macht Sie der Trainerwechsel beim FCZ nervös?

Das erste Spiel nach dem Trainerwechsel ist für den Gegner immer gefährlich, weil auf der anderen Seite die Spieler wieder aufblühen. Die sagen sich: «Jetzt gebe ich wieder Vollgas.» Solche Tendenzen müssen wir sofort im Keim ersticken und dem Spiel unseren Stempel aufdrücken.

Vor der Saison hätte man eher erwartet, dass GC als Tabellen-Vorletzter ins Derby geht.

So läuft der Fussball. Du darfst dich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, wenn du Erfolg hast. Und du darfst dich nicht vom Weg abbringen lassen, wenn das Negative überwiegt.


Das ist etwas allgemein ausgedrückt. Fakt ist, dass GC eine schlechte Rückrunde spielte und Sie Anfang Saison ein unfertiges, schmales Kader zur Verfügung hatten. Deshalb die Frage: Weshalb ist der Start so gut geglückt?

Die Phase mit fünf Niederlagen am Stück im Frühling hat uns vielleicht sogar geholfen. Da merkte ich, wer bereit ist, mitzuziehen. Ich hatte im Sommer die Gewissheit, dass diejenigen, die geblieben sind, auch wirklich mitanpacken. Ja, wir hatten ein schmales Kader, aber ich und die Mannschaft, wir kannten uns schon ein Jahr. Deshalb war der Start einfacher als in der letzten Saison. Wir hatten die Basis, um Punkte zu holen.

GC hat im Sommer weniger, dafür gezieltere Transfers getätigt als in den Transferperioden zuvor.

Ein Renat Dadashov zum Beispiel hat sehr viel bewirkt, weil er sich schnell wohl gefühlt hat. Er hat sich sofort identifiziert mit GC und zeigt Enthusiasmus. Er spricht deutsch, kennt die Kultur, hat auch schon in der Bundesliga gespielt. Ein solcher Spieler braucht weniger lang als ein 19-Jähriger aus Korea, bis er integriert ist.


Was ist für dieses GC möglich in dieser Saison?

Wir sind gut gestartet. Aber das Ganze ist fragil, so wie immer im Fussball. Die Wahrheit ist, dass wir jedes Spiel, das wir gewonnen haben, auch hätten verlieren können. Wir könnten auch nur die Hälfte der Punkte haben. Aber wir haben bei jeder Niederlage auch irgendwann die Chance gehabt, das Spiel auf unsere Seite kippen zu lassen. Wir leben vom Kollektiv, weil wir nicht die Spieler haben, die eine Partie im Alleingang entscheiden können. Aber zu Ihrer Frage: Ich bin zufrieden, wenn wir am Ende unter den ersten fünf sind. Aber wenn ich im Winter noch drei Stürmer und einen Innenverteidiger bekomme, dann bin ich mit Platz 5 vielleicht nicht mehr zufrieden.

Blick in die Zukunft: Was passiert im Winter? Kommen neue Spieler oder werden die Besten wieder abgezogen?
Blick in die Zukunft: Was passiert im Winter? Kommen neue Spieler oder werden die Besten wieder abgezogen?
Daniel Teuscher / KEYSTONE
Letztes Jahr passierte das Gegenteil. Ihnen wurden im Winter gute Spieler weggenommen. Wie frustrierend ist es, als GC-Trainer immer ein wenig von der Hand in den Mund leben zu müssen?

Logisch gefällt es mir nicht, wenn wir während der Saison einen Spieler wie Toti Gomes verlieren. Aber da muss ich meine Rolle und Funktion als kleines Rädchen in einem internationalen Grosskonzern kennen und akzeptieren. Als Trainer will ich Erfolg auf dem Platz haben, aber wenn ein Spieler zu einem besseren Klub wechseln kann, ist das für den Trainer auch ein Erfolg. Als GC-Trainer weiss ich, dass es für mich auf verschiedenen Ebenen Zielsetzungen gibt.

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Können Sie das erklären?

Es zählen die Resultate, logisch. Aber jeder Spieler ist auch ein untergeordnetes Projekt. Wenn zum Beispiel ein Toti Gomes von GC zu einem Premier-League-Klub wechselt, bringt das vielleicht ein paar Millionen Franken ein. Wenn er aber einen Wechsel von Wolverhampton aus macht, dann ist die Summe vier- oder fünfmal so hoch. Diese Spielregeln und diese Leitplanken kenne ich.

Dann sehen Sie diese Verbindungen zu Wolverhampton nicht so negativ wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt werden?

Wir müssen uns davon verabschieden, den Fussball wie früher zu sehen. Heute gibt es keinen mehr, der das Wappen küsst und sagt: «Das ist der Verein, den ich nie verlassen werde.» Bist du gut, wirst du abgeworben. Hast du als Trainer einen schlechten Lauf, wirst du entlassen. So ist das Business, unabhängig davon, ob es ausländische Investoren gibt oder nicht.


Vor GC waren Sie zwei Jahre lang Trainer bei Lausanne-Sport. Ein Klub der ähnlich strukturiert war.

Die Parallelen sind da, ganz klar: Ausländische Investoren und ein Präsident, der nicht immer vor Ort ist. Ein Klub, der Teil eines internationalen Grosskonzerns ist, und die Partnerschaft mit einem Verein in einer grossen Liga (in Lausanne war das OGC Nice aus der Ligue 1 – Red.). Und auch in Lausanne gab es einen langfristigen Plan. Nur wurde der dann nicht eingehalten. Nach dem Aufstieg wollten wir sofort in den Europacup. Aber dann gab es auf halbem Weg einen Kurswechsel.

Glauben Sie bei GC eher daran, dass am Mehrjahresplan der Klubführung festgehalten wird: Nach dem Aufstieg 2021 und dem Ligaerhalt 2022 in drei bis fünf Jahren um Titel zu spielen und in zehn Jahren zur europäischen Spitze zu gehören?

Als Trainer kann ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen mit solchen Plänen. Wenn es die Zielsetzung ist, in fünf Jahren Meister zu werden, ist das gut und recht. Aber das hilft mir heute nichts. Ich habe jetzt ein Team, das nicht die Qualität hat, Meister zu werden. Für mich zählt die Gegenwart. Wenn ich die Qualität für Platz 5 sehe, dann gebe ich alles, um dieses Maximum aus der Mannschaft herauszuholen.


In Lausanne haben Sie die kurzfristigen Ziele immer erreicht. Sie waren im Soll, aber letztlich mussten Sie trotzdem gehen. Weshalb liessen Sie sich in Zürich auf einen ähnlich strukturierten Klub ein?

Die Leute von GC kamen auf mich zu, weil sie wussten, dass ich mit den Mechanismen in einem solchen Konstrukt vertraut bin. Aber es gibt für mich einen grossen Unterschied zwischen GC und Lausanne. Dort war der Sportchef, der mich geholt hatte, bald weg, und ich war nur noch ein geduldeter Trainer in einem neuen Konstrukt mit neuer Führung. Bei GC haben mich Leute geholt, die jetzt noch da sind. Bei GC war ich nach dem Aufstieg von Beginn weg ins Projekt involviert, das gegenseitige Vertrauen ist da. Und noch etwas sprach für GC…

Bitte.

Für mich war GC im vorletzten Sommer die beste Option, weil ich in der Region Zürich aufgewachsen bin. Ich habe als Kind die Achtziger erlebt, die Zeiten des grossen GC. Mein Wunsch ist es, dass dieser Klub wieder im Schaufenster steht. GC ist Rekordmeister, hat aber an Glanz verloren. Als ich vorgestellt wurde, sagte ich, dass die vielen Pokale in der Vitrine Staub angesetzt hätten. Ich sehe es als meine Aufgabe an, dass alles wieder etwas entstaubt wird.


Sehen Sie sich auch als das Gesicht und die greifbare Identifikationsfigur des Vereins?

Das war nicht meine Motivation. Ich habe nicht geschaut, ob es neben der Arbeit als Trainer noch eine weitere Spielwiese gibt für mich. Mir ist wichtig, dass die Leute GC gerne zuschauen, unabhängig von Sieg oder Niederlage. Die Spieler sollen sich zerreissen, egal ob sie vor 1000 oder 2000 Zuschauern spielen, oder irgendwann auch wieder vor 10000. Da sind wir auf gutem Weg. Bei unseren Siegen in dieser Saison gab es oft eine Dramaturgie. Wir waren auf der Verliererstrasse, zeigten aber Charakter und bewegten noch etwas. Die Leute sagen: «Die Mannschaft kämpft, an den Spielen geschieht etwas, GC lässt sich nicht abschlachten. Damit kann ich mich identifizieren.»

Der Fan definiert sich auch über Erfolg. Kann es wieder so werden wie früher? Kann GC wieder gross werden?

Solange GC im «Exil» im Letzigrund spielen muss, will um den Klub keine gute Stimmung mehr aufkommen.
Solange GC im «Exil» im Letzigrund spielen muss, will um den Klub keine gute Stimmung mehr aufkommen.
Ennio Leanza / KEYSTONE
Solange wir kein Zuhause haben, kann es nie mehr werden wie früher. Seit der Hardturm nicht mehr existiert, ist GC ohne Heimat und ohne Glanz. Viele Fans haben sich mit dem Hardturm identifiziert. Den letzten Meisertitel gab es 2003, als das Stadion noch stand. Das ist wohl kein Zufall. Seither kam nur noch ein Cupsieg hinzu (2013 – Red.). Das ist für mich der Hauptgrund, weshalb GC den Tritt verloren hatte.


Reicht der Campus in Niederhasli nicht, ein «Wir-Gefühl» zu entwickeln?

Der Campus ist toll für die Arbeit. Er ist das Büro. Aber am Wochenende willst du ein Wohnzimmer, ein Stadion. Für den Fan ist dies entscheidend. Und dieses Stadion fehlt. Wenn wir am Samstag um 20.30 Uhr spielen, können wir nach dem Match nicht zu lange im Stadion verweilen und für viele Klub-Mitarbeiter beginnt dann die grosse Arbeit. Da das Stadion nicht uns gehört, muss alles schnellstmöglich abgebaut werden, um die Räumlichkeiten für die Events des kommenden Tages zu putzen und herzurichten. Eine solche Situation ist sicherlich nicht ideal
Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen...

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Maho
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Re: Presse Thread

#28989 Beitrag von Maho »

1929- HARDTURM I EUSNÄ HERZÄ EUSÄS DIHAI- 2007

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Ciri Sforza
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Re: Presse Thread

#28990 Beitrag von Ciri Sforza »

Fakelwurf vom letzjährigen Derby

https://www.20min.ch/story/nach-pyro-at ... 3160915478

Was hat es mit den 4 „beteiligten“ GC Fans aufsich?

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