Möngi hat geschrieben:Hier mein Mail an Herrn Walter mit cc Hartmann
Guten Abend Herr Walter
Ich frage mich seit der Morgenlektüre des Tagesanzeigers, was für ein Mensch Sie wohl sind. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Sie ein geborener Verlierer sind, der irgendwie versucht, seinen ewigwährenden Frust los zu werden.
Da sind Sie also offensichtlich seit Ihrer Kindheit Fan von Rot-Weiss Altstetten (kurz RWA aka FC Zürich) und mussten ein gutes Vierteljahrhundert lang neidvoll über die Gleise linsen, wo die verhassten Grasshoppers eine Fete nach der andern feierten. Und dann landen Sie noch beim Tagesanzeiger, aber zu mehr als der Lokalredaktion, die über Spiessbürgertum und hie und da eine unbewilligte Demo irgendwelcher Hitzköpfe berichten darf, wenn’s hoch kommt mal über einen Sozialhilfeskandal, hat es nicht gereicht. Da staut sich Frust an, keine Frage!
Wissen Sie, auch wenn Ihr Kurzzeitgedächtnis Sie im Stich lässt, spätestens seit der 2. Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts bis 2003 galt in Zürich die Zeitrechnung der Hoppers. Erinnern Sie sich? Nein, ich weiss, Ihr Kurzzeitgedächtnis.
Nehmen Sie zur Kenntnis: bevor RWA nur annähernd eine ähnliche Palette an Erfolgen vorzuweisen hat, muss leider noch manches Ries Papier Ihr Geschreibsel klaglos aufnehmen.
Sie schreiben, dass der Hardturm einen einsamen Tod sterbe. Das kann nicht sein, schon allein wegen der vielen wehmütigen Gedanken, an dieses grandiose Stadion, in dem der Grasshopper-Club Schweizer Fussballgeschichte geschrieben hat. Keiner stirbt einsam, an den seine Freunde denken. Insofern dürften Sie dereinst schon wieder auf der Verliererseite stehen und selber erfahren, was es bedeutet, einen einsamen Tod zu sterben (möge dieser Tag für Sie noch fern sein!), denn ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Leute an den dann zu mal pensionierten Lokaljournalisten Niels Walter zurückdenken werden.
Sie dürfen sich nicht wundern, nicht über die Lokalredaktion hinausgekommen zu sein. Denn wenn ich Ihre miserable journalistische Arbeit sehe, wundert mich, dass Sie nicht schon längst beim Käseblatt von Hintertupfigen in der Inserateannahme gelandet sind. Sie sind doch tatsächlich in der Lage, GC einmal als Bonzen- und dann wieder als Nobel-Club zu bezeichnen. Im gleichen Artikel, wohlgemerkt! Ja, was denn nun? Bonzen oder Nobel? Ich gebe Ihnen, zum Zeichen dass ich so einem kleinen Schreiberling gar nicht böse sein kann, gerne Nachhilfe.
Nobel kommt von lat. Nobilitate, was soviel wie Adelstitel bedeutet. Es steht heute für stil-voll, vornehm, eben edel.
Bonze stammt ursprünglich aus dem japanischen und bezeichnete einen buddhistischen Mönch. Heute findet der Begriff Verwendung als Spottwort für hochstehende, auf den eige-nen Vorteil bedachte Funktionäre und entstammt, man glaubt es kaum, der Arbeiterbewe-gung! Merken Sie etwas? Nein? Hätte mich auch gewundert.
Vielleicht hilft Ihnen folgende erweiterte Definition auf die Sprünge: Bonze wird auch für Personen verwendet, welche mit Wertsachen oder Geld protzen. Das müsste Ihnen doch bekannt vorkommen, um all die Krö-susse, die die Plattform RWA missbrauchen, um ihr angekratztes Ego wieder aufzupolieren, alle diese Möchtegerne und Milieugrössen, die damit prahlen, mit wie vielen Millionen sie alleine für den Erfolg verantwortlich sind.
Sehen Sie, und genau das finden Sie bei GC nicht. Ja, der Club scheffelte und scheffelt viele Millionen, soweit können Sie gar nicht zählen. Aber Sie werden in aller Regel nie erfahren, von wem. Eben: der Adel schweigt und geniesst. Und deshalb können Sie uns mit „Nobelclub“ schon mal gar nicht beleidigen, im Gegenteil, es ehrt uns, nobel zu sein.
Aber nennen Sie uns nicht Bonzen-Club! Da müssen Sie sich schon nach Altstetten wenden, eben zu diesem Kreis der Möchtegerne und Milieufuzzis, die zwischen ein paar Cüpli und gefälschten üppigen Blondinen zwischendurch mal fragen, wie das Spiel steht.
Weil GC nobel ist, hat der Club (und er wird das weiter tun, denn „noblesse oblige“!) seinen Anhängern zu stets moderaten Preisen internationale und nationale Fussballleckerbissen geboten, während RWA seine Bonzenfratze so richtig demonstriert mit den Ticketpreisen für das Eröffnungsspiel im neuen Letzi. Wissen Sie, wenn man Stehplatzzuschauern für ein Spiel den Gegenwert von drei GC-Heimspielen ausreisst, dann ist das Abzockerei, wie sie sonst nur in den übelsten Zupfstuben vorkommt. Dass Sie gegen diesen Skandal nicht wettern, ist logisch. Erstens können Sie das nicht von Ihrem journalistischen Handwerk her (sonst wären Sie ja nicht in der Lokalredaktion gelandet) und zweitens müssten Sie dem Schlachthof-Club die Fratze vom Gesicht reissen und sich als Sympathisant hinterfragen.
Fast hätte ich‘s vergessen: demnächst ist bei uns im Dorf eine Papierabfuhr. Blick, NZZ, Migros-, Coop- und Touringzeitung gehen fein säuberlich gebündelt auf ihre ehrenvolle Reise zu einem zweiten, recycleten Leben und werden der Menschheit in irgendeiner Form von Nutzen sein.
Ihr Blatt werde ich dagegen auf einer meiner Herbstwanderungen von Alpen-Plumpsklo zu Alpen-Plumpsklo tragen und verteilen. Denn den Hintern der Bergwanderer, die sich eben erleichtert haben, ist es sicher egal, mit welchem Mist sie abgewischt werden!
Ich entlasse Sie mit einer Widmung, die die Losung der GC-Fans Ausgabe 2007 ist: Unsere Rückkehr wird euer Untergang sein! In diesem Sinne können Sie sich schon mal im Schwimmen über.
Mitleidvoll Ihr
Gefällt mir sehr gut! Noch etwas mehr Sarkasmus. Und ich würde ihn huldigen...