"Die Unwohl-Arena"

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Wurstverkäufer
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"Die Unwohl-Arena"

#1 Beitrag von Wurstverkäufer »

«Tages-Anzeiger» vom 19.10.2005, Seite 9


VON INSTANTREVOLUZZERN UND BETRETENEN FANS

Die Unwohl- Arena

Ultras sind keine echten Fans, sondern Randalierer, die nur in der Gruppe stark sind. Sie verderben der grossen Mehrheit der Zuschauer das Spiel.

Von Thomas Helbling*

Die Analyse von Dario Venutti im « Tages- Anzeiger » vom 15. 10. 2005 ruft nach einer Replik. Der Autor beschreibt die Ultras als eingefleischte Fussballfans und Randständige unserer Gesellschaft. Beides ist falsch. Um eingefleischt zu sein, fehlt ihnen sowohl das Sachinteresse als auch der Leistungsausweis. Den Tatbeweis des treuen Fans, der sämtliche FCZ- Spiele in der Ära Hotz miterlebt hat, können sie nicht erbringen. Und auch gegen den Bub, der die Schuhgrössen seiner GC- Idole auswendig kennt, oder die ältere Dame, die seit 37 Jahren im Espenmoos Olma- Bratwürste verkauft, haben sie keinen Stich. Es fehlt ihnen der Echtheitsstempel.

Dafür sind sie « ultra » im Sinne von fanatisch, blind und rücksichtslos. Das genügt aber noch nicht, um in unserer Gesellschaft randständig zu sein, es reicht « lediglich » dazu, im Kunterbunt der Fussballzuschauer am Rande beziehungsweise offside zu stehen. Dort wollen die Ultras, die jeder Klub der höchsten Liga zu seiner Klientel zählt, aber nicht hin. Es zieht sie ins Zentrum, hinter das Tor.

Ob als Hand voll oder in der Hundertschar wollen sie das Stadion okkupieren und es als Bühne rechtsfreien Handelns benutzen. Zum Ärger und Leidwesen der restlichen 98% der Zuschauer, der Akteure auf dem Feld und des Organisators des Spiels. Ganz zu schweigen von den Geschäftsinhabern, die über zerbrochene Fensterscheiben klagen; den Nachbarn, die in ihrem Quartier am Spieltag jeweils unfreiwillig den Ausnahmezustand erleben; und den Feuerwehr- leuten, Polizisten und weiteren Personen, deren Dienst im öffentlichen Interesse im und um das Stadion wahrlich kein Zuckerlecken mehr ist. Sozialromantisch wird der Fussball als Sport der Underdogs beschrieben; wie eine Blutspur zögen sich Gewalt und Aufruhr gegen die Staatsmacht durch die Geschichte des modernen Fussballs. Komisch nur, das mir dies nicht schon in meinen Jugendjahren aufgefallen ist. Bei den Derbys waren damals auch die grössten Stadien des Landes – das Joggeli und das Wankdorf – zum Bersten voll.

Um sich greifende ethische Verwahrlosung

Stickig die Atmosphäre, eng der Raum auf der Stehplatzrampe. Und trotzdem: Dem vom Autor skizzierten Bild archaischer Manifestationen und einer brodelnden, aus ihrem Pferch auszubrechen drohenden Menschenmasse bin ich nie begegnet. Und jenem der Polizei als « Repressionsorgan » schon gar nicht; in Erinnerung bleiben die Landjäger, die vor und nach dem Spiel den Verkehr regelten und dafür den Match auf reservierten Sitzplätzen mitverfolgen durften. Kurz: Man fühlte sich wohl und sicher – trotz Rivalität auf dem Platz und auf den Rängen.

Zum Ort der Krise wurde das Stadion erst Ende der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Zuerst war die Fussballschweiz nur Zaungast und schaute ungläubig nach Heysel und Hillsborough. Schleichend entwickelten sich dann die Fussballarenen auch bei uns zu Tummelplätzen um sich greifender ethischer Verwahrlosung. Angestachelt durch die aufkommende mediale Präsenz ist das Stadion mittlerweile auch zum Hort jener geworden, die in ihrer Null- Bock- Stimmung Dampf ablassen wollen.

Dieser harte Kern der Ultras hat die früher im Stadion wütenden Hooligans abgelöst, die sich mittlerweile auf das gegenseitige Verdreschen auf der Allmend beschränken, um nach diesem ihrem Gusto entsprechenden Vorspiel gemeinsam den Match zu besuchen. Nur in der Gruppe stark, suchen die Ultras vorzugsweise Auswärtsstadien heim, stürmen stosstruppartig und ohne Ticket den Gästesektor und setzen sich dort fest. Feige suchen sie dann die Anonymität, um ihr Unwesen unerkannt zu treiben. Vermummt und versteckt hinter Bannern zünden sie gesetzlich verbotenes Feuerwerk und machen sich systematisch am Tribünenbau zu schaffen, bis die Ordnungskräfte dem Zerstörungsdrang ein Ende setzen.

Bricht die Anonymität auf und werden die Übeltäter entlarvt, spielen sie sich als Unschuldslämmer auf und erfrechen sich, selbst vom Klub die minutiöse Einhaltung rechtsstaatlicher Verfahrensgrundsätze zu verlangen, wenn dieser die Chaoten aus dem eigenen Stadion spediert.

Diese verzerrte Wahrnehmung der gesellschaftlich vorgegebenen Anstandsregeln und der dem Individuum zustehenden Ansprüche gegenüber privaten Dritten und dem Staat sind Ausdruck des Zwiespalts, in dem sich die Ultras befinden. Wie auch die – bezeichnenderweise in Designerklamotten – zur Schau gestellte Ablehnung des Kommerzes bei gleichzeitiger Vergötterung der hoch bezahlten Kicker. Oder die demonstrative Verweigerung des Gesprächs mit der Vereinsführung, obwohl man für die Vereinsfarben angeblich alles tun würde.

Und wer ist schon glaubwürdig, wenn er schwarzweisse Gummiarmbänder der Uefa- Antirassismusaktion trägt und handkehrum die Regeln des Fairplays mit der Verhöhnung der gegnerischen Spieler und Fans aufs Übelste mit den Füssen tritt?

Die echten Fans machen die Faust im Sack

Wer diesem morbiden und gespalteten Verhalten verklärend das Wort spricht, muss sich nicht wundern, wenn er mit seiner Hetze weitherum nur Kopfschütteln auslöst. Bei all den Vätern und Müttern, die den Matchbesuch mit ihren Kindern nicht mehr riskieren wollen. Bei den Zuschauern, die es müde sind, ständig giftigen Rauchwolken ausgesetzt zu sein. Bei all jenen, die genug davon haben, dass ihnen das Fussballfest wegen primitiver und zunehmend rassistischer Schmähgesänge vermiest wird. Schlicht bei der überwiegenden Mehrheit der Stadionbesucher, den echten Fussballfans, die dem Chaotentum einiger weniger Instantrevoluzzer zwar betreten, aber mit der Faust im Sack zusehen.

Gefordert sind die Klubs, aber auch der Gesetzgeber. Als Hausherren bestimmen die Vereine die Stadionordnung und entscheiden wie ein Beizer, wer Hausverbot erhält. Wochenende für Wochenende geben die Klubs Zehntausende von Franken aus, um die nirgends und bei niemandem willkommenen gewaltbereiten Gangs fern zu halten.

Diesem zermürbenden und sinnlosen Katzund- Maus- Spiel sind die Vereine verpflichtet, sind sie doch als Veranstalter gehalten, für die Sicherheit aller Besucher zu sorgen. Die Angst sitzt ihnen im Nacken, dass früher oder später eine abgefeuerte Rakete ins Auge geht oder eine abgefackelte Tribüne einstürzt. Unweigerlich würden sie dann in die Haftpflicht genommen; weil der Regress auf die Täter im Sand verläuft oder diese, nicht zuletzt wegen der hier zu absurden Zuständen führenden Datenschutzgesetzgebung, gar unerkannt bleiben.

Es verwundert deshalb nicht, dass die Klubs der Swiss Football League vom Gesetzgeber die rasche Einführung einer Datenbank gewalttätiger Zuschauer als auch weiterer polizeilicher Massnahmen gegen Randalierer verlangen. Nur so sind sie nämlich in der Lage, das eigene Haus vor der Zerstörungswut sich vermeintlich in einem rechtsfreien Raum bewegenden Chaoten zu schützen und sich ( endlich) vermehrt um das Wohl der vielen echten Fans zu kümmern.

Dazu gehören auch viele echte Randständige, denen der Fussballklub ein Wohlgefühl und ein Daheim bieten kann. Jedenfalls hat dies die Geschichte des Fussballs gezeigt.
* Thomas Helbling ( 44) ist Vorstandsmitglied der Swiss Football League ( SFL) und Präsident der Sicherheits- und Fankommission SFL.

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Auch wenn Helbling das logische Denken nicht gerade löffelweise gefressen hat, sollten sich meiner Meinung nach einige Personen u.a. folgende Fragen stellen: Was bedeutet es, Fan von GC zu sein? Und inwiefern sind Aktionen wie in Schaffhausen, egal wer alles daran beteiligt ist, sinnvoll, wenn anschliessend solchen Leuten wie Helbling eine Plattform geboten wird und ein englisches Ideal evtl. noch schneller angestrebt wird?...

uhu
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#2 Beitrag von uhu »

Sorry, aber de hät doch en Egge ab! Oder anders gesagt: Judihui! ich bastle mir ein Feindbild!

...gibts eigentlich nur noch schwarz und weiss ???

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Blue-White-Hearted
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#3 Beitrag von Blue-White-Hearted »

So ganz von der Hand lässt sich dies eben nicht weisen...
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M.P.M
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#4 Beitrag von M.P.M »

dieser text ist ja wohl jenseits von gut und böse
vorwärts gc züri

chilbi
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#5 Beitrag von chilbi »

Ich muss wirklich sagen, dass zumindest die erste Artikelhälfte meine Sicht der Dinge wiederspiegelt. Wirkliche Fans gibts bei unseren Ultras nur sehr wenige, leider. Höre dauernd nur Disskusionen über die Fanszene (wer hatte die bessere Choreo, wem kann man die ZF klauen usw...)! Schaut man sich die Forenbeiträge an, so kann man gut erkennen, dass diejenigen die sich zu den Ultras zählen sich kaum mal zu Aufstellungen, Taktik oder Ähnlichem äussern. Oder liege ich da etwa falsch? In meinen Augen ist die Ultrabewegung zumindest hier in der Schweiz schlichtweg nicht echt. Vielmehr eine Selbstinszenierung ihrer selbst. Es wird zwar Support und Stimmung gefordert....Ziel ist allerdings nicht in erster Linie die Mannschaft anzufeuern sondern sich selber eine Qualität zu geben. Somit tritt die fanszene in den Vordergrund, nicht aber die Mannschaft. Dies war Anfangs der 90er anders, da stand der Verein im Vordergrund und nicht die Selbstdarstellung der Fangruppierungen. Dazu wäre ein Kommentar von einem Smoker interessant.

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Blue-White-Hearted
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#6 Beitrag von Blue-White-Hearted »

chilbi hat geschrieben:Somit tritt die fanszene in den Vordergrund, nicht aber die Mannschaft. Dies war Anfangs der 90er anders, da stand der Verein im Vordergrund und nicht die Selbstdarstellung der Fangruppierungen.
Ähnliches hatte ich mal in einem Beitrag geschrieben habe. Ich wurde damals von vielen Seiten darauf aufmerksam gemacht, dass sich dies hier nicht schicke...

Bin der gleichen Meinung. Aber, die positiven Energien, grad in der EO soll man nicht vergessen. Die Choreos sind wirklich genial.
Zuletzt geändert von Blue-White-Hearted am 19.10.05 @ 16:46, insgesamt 2-mal geändert.
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Esperanto
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#7 Beitrag von Esperanto »

richtig so! sperrt die ultraverbecher alle zusammen in eine einzelzelle!!!!! :lol: :lol: :lol:

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Cabri
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#8 Beitrag von Cabri »

Da bleibt einem ja die Spucke weg! Ich bin so perplex ab diesem Text, dass ich gar nicht wütend bin. Der spinnt doch vollkommen. Völlig undifferenziert ist sein Text und voll unzähliger Logikfehler. Das typische Beispiel eines extremen Bünzlis, der alles was "anders" ist verabscheut und weg haben will.

Wer schreit denn seine Mannschaft bedingungslos nach vorne und ist dann am anderen Tag heiser? Wer opfert all seine freie Zeit, seine Ferien und sein Geld, um aufwendige und schöne Choreographien herzustellen, oder um seine Mannnschaft überallhin zu begleiten? die Helbling dann sicher auch schön findet? Was wäre das für ein Stadion, in dem nur Helblings hocken würden? Helbling wirft alle Fans in einen Topf und was rauskommt ist böse.
Schafe, denen kalifornische Wissenschafler beibringen wollten, Unkraut auf Weinbergen zu fressen, entwicklten eine ausgeprägte Vorliebe für Trauben der Rebsorte Chardonnay

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D.A.G.
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#9 Beitrag von D.A.G. »

Dazu wäre ein Kommentar von einem Smoker interessant.


hm schwierig obs früher viel anders war... durch die praktisch inexistente medienlandschaft ( ausser am wochenende wurde nicht mal eine zusammenfassung der spiele gezeigt) und auch das fehlen vom Internet , sahen sich die verschiedenen fangruppen der vereine sowieso nur maximal 4mal pro jahr , der gegener interresierte eigentlich nur im zusammenhang mit blocksturm , was an stimmung oder optischem support rüber kam war selten ein thema . wichtig war der sieg auf dem platz . gab ja null komunikation mit dem gegner. auch fotos wurden praktisch nicht gemacht. würde mal sagen der grosse teil der fanszene stand geschlossener hinter der mannschaft als heute , allgemein war die ganze szene viel vereinter. ob die einzelnen leute mehr für fussball interessiert waren wage ich zu bezweifeln. man wollte weniger als heute sich selber in den vordergrund stellen , dafür wurde viel mehr geprügelt , auch in den stadien, war mehr so eine art dampf ablasen vom alltagsstress , keine selbsdarstellung. der ganze artikel ist doch völliger blödsinn und verallgemeinert extrem . typisch tagi halt[/quote]

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Blue-White-Hearted
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#10 Beitrag von Blue-White-Hearted »

Cabri hat geschrieben:Wer schreit denn seine Mannschaft bedingungslos nach vorne und ist dann am anderen Tag heiser? Wer opfert all seine freie Zeit, seine Ferien und sein Geld, um aufwendige und schöne Choreographien herzustellen, oder um seine Mannnschaft überallhin zu begleiten? die Helbling dann sicher auch schön findet? Was wäre das für ein Stadion, in dem nur Helblings hocken würden? Helbling wirft alle Fans in einen Topf und was rauskommt ist böse.
Dann bist Du ja offensichtlich nicht angesprochen... Denn alles was du aufgezählt hast bewegt sich im rechtlichen Rahmen. DU bist also sicherlich nicht gemeint, wenn Du die Dinge tust, die Du aufgeschrieben hast.
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